Von:
Matthias Pöhlmann

e-aberglaube.de

Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon einmal einen heimlichen Blick in sein Tageshoroskop geworfen oder mit einem Augenzwinkern einen Glücksbringer verschenkt? Ob vierblättriges Kleeblatt, schwarze Katze oder die Zahl 13 – fast immer geht es um Glück oder Unglück, das damit in Verbindung gebracht wird. Aktuellen Umfragen zufolge sind heute vor allem Glücksbringer gefragt. In Krisenzeiten ist das kein Wunder.

Es gibt harmlose Spielarten des Aberglaubens. Aber aus bloßem Spiel kann auch bitterer Ernst werden – vor allem dann, wenn man sein Herz an Gegenstände verliert oder geheimnisvolle Kräfte, Rituale und Beschwörungen einsetzen will, um ein bisschen Schicksalsgott zu spielen und Macht über andere Menschen zu gewinnen.

Aberglaube hat einen negativen Klang, was die Vorsilbe „Aber-“ zum Ausdruck bringt. Er richtet sich gegen einen als wahr erkannten Glauben. Doch wer legt das fest? Ein Blick auf die Begriffsgeschichte zeigt, dass das Wort „Aberglaube“ im Lauf der Jahrhunderte eine enorme Wandlung und Ausdehnung erfahren hat.

Heute wird der Begriff, je nach Standpunkt, unterschiedlich verwendet: Von wissenschaftlicher Seite wird damit eine Position als unvernünftig oder als unwissenschaftlich gekennzeichnet. Aus religiöser Sicht soll damit eine Abweichung vom rechten Glauben bezeichnet werden. Abergläubische Spielarten kommen ohne Gott aus. Der Mensch möchte Herr seines eigenen Schicksals sein und bleiben: Hinter vielen Erscheinungsformen des Aberglaubens steckt der Versuch, mithilfe geheimnisvoller Gegenstände oder Sprüche eine entsprechende Wirkung zu erzielen, obwohl man eigentlich wissen müsste, dass die erhoffte Wirkung letztlich auf Selbsttäuschung oder Wunschdenken beruht. Heute gibt es ein breites Sortiment unterschiedlicher Angebote: Mit Zaubersprüchen reich werden, mit Beschwörungen den Traumpartner finden, mit dem magischen Heilstein nie mehr krank werden.

Für Anbieter von Mitteln zu Glücks- und Abwehrzauber ergeben sich gute Geschäftschancen, für die Nutzer solcher Angebote jedoch erhebliche Risiken und Nebenwirkungen. Und das nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch für das eigene Seelenleben, wenn etwa Wahrsager Ratsuchende mit düsteren Zukunftsvorhersagen in Ängste versetzen. Manchmal reicht schon ein geheimnisvoller Kettenbrief aus, der dem Empfänger Glück oder Unglück verheißt, je nachdem ob er den Brief an viele andere weitergibt oder nicht. Am besten ist es, solche Briefe dem Papierkorb zuzuführen.

Aberglaube steht für eine ängstliche Lebenseinstellung, die sich von einem vertrauensvollen, „echten“ Glauben unterscheidet. „Woran du dein Herz hängst, da ist dein Gott!“, so hat es Martin Luther einmal ausgedrückt. Aberglaube vermittelt falsche, illusionäre Sicherheiten. Woran hänge ich meinen Glauben, worauf setze ich mein Vertrauen: auf Beschwörungen und geheimnisvolle Kräfte oder auf Gott, der mich von meinem Selbstzwang befreit?